SEHEN UND GESEHEN WERDEN

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Jasmin Wörz
·
Foto
SSSZ Photo, collectorscarworld
Mercedes 300 SL
Einst bedeutete ein Auto Freiheit, Ausbruch, vielleicht sogar Rebellion. Straßen waren wie Laufstege. Und heute?

Kann ein Mercedes denn Sünde sein? Das ist so nicht ganz einfach zu beantworten. Denn klassische Fahrzeuge wecken wunderbare Emotionen, und jeder kann wahrscheinlich eine Geschichte dazu erzählen. Wir sind ihnen aus unserer Kindheit verbunden, haben sie vorbeifahren sehen, im Autoquartett damit gespielt und davon geträumt, irgendwann einen zu besitzen. Dass diese Autos nun gehegt und gepflegt werden, sagt viel über die Bedeutung von Klassikern für die Menschen aus. Und dann gibt es noch die echten Traumwagen, von denen nur ganz wenige gebaut wurden, diese aber die Marke stark geprägt haben. Beispielsweise der Mercedes 300 SL, den auch Porfirio Rubirosa fuhr. Wenn man mit so einem Auto durch die Gegend fährt, drehen sich noch heute die Leute danach um und bringt die Augen zum leuchten.

 

Porfirio Rubirosa, geboren 1909, hatte zwei große Vorlieben: Frauen und Autos. Seiner Zeit als Spitzenplayboy weltbekannt, löste der Latin Lover mit zahlreichen Affären, Abenteuern und Seitensprüngen einen Skandal nach dem anderen aus. Als Sohn eines dominikanischen Generals genoss er ein Leben ganz nach seiner Fasson – dabei lagen dem temperamentvollen Herzensbrecher die schönsten und reichsten Frauen zu Füßen. Natürlich braucht ein erfolgreicher Playboy das passende Automobil. Und welches Gefährt hätte damals seinen ösen Lebensstil besser unterstreichen können, als ein 300 SL Gullwing, ein Exponat aus seiner Sammlung. Und was passt da wohl heutzutage zu einem der berühmtesten 300 SL der Geschichte: Lilly zu Sayn Wittgenstein. Sie gilt als eine der ausdrucksstärksten Persönlichkeiten des deutschen Adels mit spannenden automobilen Wurzeln, mit der Kay Haffner mit HK Engineering und SSSZ Photo für collectorscarworld mehrere Foto-und Filmstrecken realisiert hat.

 

Die Familie, der in Stuttgart geborenen Prinzessin Lilly zu Sayn Wittgenstein geht auf das Jahr 1345 mit dem Hauptsitz der Residenz in Bad Berleburg zurück. Sie selbst führt ein Leben fast wie im Märchen, hat das, wovon viele Frauen träumen: Einen wohlklingenden Namen und einen Adelstitel, zwei Kinder, eine Top-Figur, ein zauberhaftes Wesen und einen Traumjob. Als Botschafterin für ein renommiertes Schmuck-Unternehmen jettet sie rund um den Globus, besucht hochkarätige Galas und Partys, trägt den kostbarsten Schmuck und traumhafte Roben und trifft Stars aus aller Welt. Doch ihr Herz schlägt auch für Autos, eben wie den Star dieser Geschichte, den legendären 300 SL von Rubirosa. Wenn Rubirosa einmal nicht von der Frauenwelt eingespannt war, fuhr er Autorennen, wie zum Beispiel die berühmt-berüchtigte Carrera Panamericana, oder spielte Polo. Auf die Frage, ob er jemals arbeiten werde, antwortete Rubirosa: „Arbeiten? Ich habe keine Zeit für Arbeit!“ Und wie ging die Geschichte um Rubirosa aus? So rasant wie der Latino sein Leben lebte, überkam ihn auch 1965, im Alter von 56 Jahren, der Tod. Er starb bei einem Unfall in seinem Ferrari (Modell nicht bekannt).


Tipp der Redaktion:

Das Buch zu Porfirio Rubirosa. Der Playboy kann eine Eroberungsliste vorweisen, die ihresgleichen sucht. Verheiratet war er unter anderem mit der Filmschauspielerin Danielle Darrieux, der damals »schönsten Frau der Welt« – und nachher den beiden reichsten Frauen Amerikas. Selbst dem dominikanischen Diktator Trujillo schlug er ein Schnippchen, indem er dessen Tochter verführte. Vor allem aber seine außerehelichen Liebesabenteuer führten ihn in die Betten der attraktivsten und begehrtesten Frauen seiner Zeit: Zsa Zsa Gabor, Dolores del Rio, Ava Gardner, Joan Crawford, Jayne Mansfield, Evita Perón und viele andere Schönheiten. Für jeden einzelnen dieser Stars wären Millionen von Männern bereit gewesen, alles herzugeben: ihr Vermögen, ihren Verstand. Doch obwohl Rubirosa mit keinen besonderen irdischen oder intellektuellen Gütern gesegnet war, flogen gerade ihm die Herzen zu wie keinem. Bis weit in die Fünfzigerjahre hinein verkörperte er den Prototypen des »Playboys«, der schamlos und lustvoll sein Leben in Abenteuern, Affären und Seitensprüngen vergeudete. Für ein bürgerliches Leben war er nicht geschaffen. Auf die Frage eines Reporters, wann er arbeite, entgegnete er: »Arbeit? Für Arbeit habe ich keine Zeit!« Ein charmanter Schmarotzer, ein Held des Hedonismus aus leider längst vergangener Zeit. https://steidl.de/Buecher/Der-letzte-Playboy-0406222950.html

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