Gentlemen, START YOUR ENGINES!

Text
Joachim Fischer
·
Foto
Maximilián Balázs
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Früher stellte man ein Auto auf einer Messe oder im Showroom des Händlers aus, um seine Marke zu präsentieren. Der Bentley Track Day beweist, dass eine neue Ära begonnen hat – und die macht definitiv mehr Spaß.

Wer Geld, Stil und erlesenen Geschmack hat (oder einfach viel kostbare Lebenszeit auf den einschlägigen Autoportalen vergeudet), wird es gemerkt haben: Auch bei Bentley ist bald Schluss mit  dem Zwölfzylinder. Im April 2024 wird nach über 20 Jahren und mehr als 100.000 Einheiten der letzte W12 vom Band laufen. Höchste Zeit also, den Sechsliter-Biturbo-TSI noch einmal gebührend zu feiern.

Die Wahrheit liegt im Lächeln, sollte es eigentlich heißen. Denn ein ehrliches Lächeln ist schwer zu imitieren. Dass ein Bentley beim Fahren genau dieses Lächeln ins Gesicht zaubert, gehört seit  eher zur Grundausstattung. Bei einem rasanten Bentley Track Day mit verschiedenen Bentley-Modellen wird so schnell klar, was sich ändert und was immer bleibt. Ein „Pan Am Smile“ war einst  in geläufiger Begriff für ein künstliches, falsches Lächeln. Er geht auf die amerikanische Fluggesellschaft „Pan American World Airways“ zurück die von ihren Stewardessen ein ständiges Lächeln verlangte – schließlich sollten sich die Fluggäste willkommen fühlen. Leider war den Stewardessen im Berufsalltag nicht immer zum Lächeln zumute und das merkte man ihnen schnell an. Das  menschliche Lächeln ist ein äußerst komplexer Gesichtsausdruck, bei dem sehr viele Muskelpartien im Gesicht aktiv werden müssen. Wer nicht fühlt, was er lächelt, dem sieht man das oft direkt  an. Das Gefühl macht die Wahrheit. Und gefühlt haben die Teilnehmer bei dieser Ausfahrt mit Bentley Stuttgart und Bentley Singen viel. Und gelächelt. Wahrhaftig gelächelt.

Zusammen mit einigen Kunden und Kundinnen, Fotografen und uns Journalisten war man auf der Strecke am Baden-Airpark. Die Strecke selbst steht für eine typische Fahrt, wie man sie hier  gerne als Alltagsflucht unternimmt. „Ein Treff von Bentley-Enthusiasten, der jede Fahrpräsentation in den Schatten stellt“, wird einer der Teilnehmer später sagen. Denn während man sich  andernorts den Kopf darüber zerbricht, ob eine örtliche Verlagerung von Automessen den seit Jahren sinkenden Besucherzahlen entgegenwirken könnte, denkt man bei Bentley einen Schritt  weiter: „Die Idee, Autos einfach irgendwo hinzustellen, ist überholt – egal, ob sie in Stuttgart, Singen oder anderswo vor sich hin glänzen. Man ist sich einig: Marken wie Bentley müssen heute  Erlebnisse bieten, wenn sie eine effektive und positive Beziehung zu ihren Kunden haben wollen. Und das wollen sie, denn nur so lassen sich Autos verkaufen. Es geht also darum, Lebenswelten  zu kreieren, zum Mitmachen anzuregen, gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Und dabei Botschaften und Markenwerte zu vermitteln. Unser „Jungbrunnen“ ist ein kleiner Flugplatz. Die Landebahn beziehungsweise die Teststrecke ist ausschließlich für Bentley reserviert. Ein paar Mal unter Volllast von Null auf über Hundert und die Teilnehmenden sehen alle locker drei bis fünf Jahre jünger aus. Die Botox-Industrie bekommt erste Sorgenfalten, ist zu hören. Das Faszinierende an so einer Tour ist das Unvernünftige: Wie ein Spürhund wittert jedes Rad den größtmöglichen Grip und schiebt die edlen Karossen vorwärts. Die Bedingungen spielen dabei kaum eine Rolle. Auf beregneter Fahrbahn braucht der Bentley nur ein Zehntel länger von null auf  hundert als bei idealen trockenen Bedingungen. Auch eine neue Form der Effizienz. So oder so. Aber dann sind da noch die Kurven. Und beim Bremsen lassen sich die Tonnen Gewicht nicht  verbergen. Masse bleibt Masse. Macht aber Spaß!

Dabei liegt in einem neuen Bentley auch immer eine Prise Leichtigkeit. Es ist eine neue Art von Leichtigkeit, die mehr ein Zusammenspiel der Bewegungsabläufe überhaupt ist: Gas geben, lenken, bremsen, auch mal laufen lassen, all das macht der Bentley mit einer ebenso schnurrenden wie heiteren Gelassenheit, die spürbar auf das zentrale Nervensystem des Fahrers einwirkt. Zeit- Hopping sozusagen. Das Gegenteil wäre der Flow, das Aufsaugen des Augenblicks, bei dem man, ganz in eine Sache vertieft, die Zeit nur noch als verschwommenen Strich wahrnimmt, der an  einem vorbeizieht. Beim Autofahren zum Beispiel. Wenn es nur noch darum geht, im richtigen Moment Gas zu geben, zu bremsen, einzulenken, den Scheitelpunkt zu finden und sich aus der  Kurve tragen zu lassen. Oder auf nasser Fahrbahn den Drift zu halten. Das perfekte Zusammenspiel von gezielten Gasstößen und sanftem Gegenlenken, Wellness beim Gegenlenken sozusagen. Und die wahre Kunst des Allrad-Driftens besteht ohnehin gerade darin, nicht zu lenken. Denn im Idealfall steht das Lenkrad auf zwölf Uhr, während das Fahrzeug quer steht, oder besser: schiebt  und zieht. Alles feinfühlig gesteuert mit dem rechten Fuß, der linke ruht bei den großen Meistern auf dem Bremspedal, und hier und da gibt er einen kurzen, aber entschlossenen Impuls, um zu  verhindern, was niemand will: das hämische Grinsen der anderen, wenn er einen eindreht und der eigene Bentley Gefahr läuft, sich rückwärts zu drehen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Riesenspaß. Da sind wohl alte Instinkte am Werk. Und ja, natürlich ist es ein akustischer Genuss, wenn ein neuer Continental GT Speed 6,0-Liter-W12-Motor mit Doppelturboaufladung über die Piste jagt, aber es gehört auch viel Talent und Konzentration dazu, mit einem Flying Spur scharf um die Ecken zu driften. Da verzieht der eine oder andere schon mal das Gesicht, vor allem, wenn  er zum dritten Mal die gleiche Kurve nimmt. Sound hin, Sound her. Später am Abend diskutieren wir in gut gelaunter Runde, ob uns die Evolution diesen Instinkt, auf den Sound des Motors zu  reagieren, jemals ganz austreiben wird. Die Meinungen gehen auseinander. Christian Wild betont, dass der Sound aus den natürlichen Vorgängen des Antriebs auch später in der Elektromobilität ein akustischer Leckerbissen, also technisch echt, sein wird. Genau wie das wahrhaftige Lächeln aller Beteiligten an diesem Wochenende.

Das mit den dynamischen Bentleys ist sicher richtig. Aber auch ein Continental Speed wird nicht plötzlich zum Rennwagen. Warum auch? Er ist der Gran Turismo schlechthin. Ein großer,  schwerer Gran Turismo, kein aggressiver Kurvenräuber-GT. Aber ansonsten: durch und durch großes Kino. Selbst die Innenseite der Heckklappe ist mit herrlich flauschigem Teppich ausgekleidet. Louis-Vuitton-Koffer, Ruinard-Champagner-Kisten oder die üblichen zwei Golftaschen werden vor Freude jubeln.

 

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