PARADIES DES PORTWEINS

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MARIO ESPOSITO
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REISEBÜRO COLUMBUS, PR
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Sie sind nicht der klassische Postkartentyp? Die Toskana ist Ihnen zu ausgetreten? Die Schlösser an der Loire sind Ihnen zu kitschig? Lissabon kennen Sie wie Ihre Westentasche? Dann sind Sie reif für den Norden Portugals.

Abseits der großen Touristenmagnete überraschen die unberührte Schönheit und der kulturelle Reichtum des Alto Douro, dem ältesten geschützten Weinanbaugebiet und der Heimat des Portweins. Die Weinlandschaft des Alto Douro ist wohl einzigartig auf der Welt. Der Reisebericht hier rund um den Vinho do Porto beginnt mit einer Legende und endet mit einem Glas Portwein. Und so schauen wir auf die Mandelbäume an den Hängen des Douro. Einst sollen sie von einem portugiesischen Prinzen für seine aus Marokko stammende Frau gepflanzt worden sein. Denn diese litt unter Heimweh und sehnte sich nach dem Anblick des schneebedeckten Atlasgebirges, das sie seit ihrer Kindheit kannte. So sah sie fortan jedes Jahr in den Wochen der Mandelblüte etwas Weiß an den Hängen des Douro. Ob dies ihre Sehnsucht stillte, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass die Landschaft am Douro von Menschenhand geschaffen wurde. Terrassen über Terrassen, soweit das Auge reicht. Alle von Hand gemauert. Oft kaum zwei Meter breit. Viele um die 1000 Jahre alt. Nicht nur Weinstöcke tragen sie, sondern auch Oliven- und eben Mandelbäume. Ein Fest für die Sinne!

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Foto von Maksym Kaharlytskyi auf Unsplash

Auf den ersten Blick mag das mal enge, mal weite Tal des Douro an den Mittelrhein oder die Mosel erinnern. Doch bei genauerem Betrachten offenbart sich ein rauer, fast archaischer Charme, den man von heimischen Weinhängen so nicht kennt. Schließlich wurde hier schon in der Bronzezeit ein Gärtank aus Trauben hergestellt, lange bevor die Römer den eigentlichen Weinbau einführten. Und so verwundert es kaum, dass ausgerechnet hier der vielleicht größte Exportschlager Portugals erfunden wurde: der Portwein.

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Foto von Carlos Sanchez Pereyra

Man schmeckt es nicht, aber es ist wahr: Die Geschichte des Portweins begann mit Stress. Jahrhunderts bekamen die Engländer von den Franzosen keinen Wein mehr. Weil sie aber nicht nur Tee trinken wollten, kauften sie fortan bei den Portugiesen. Die ertragsschwachen, aber hochwertigen Rebsorten von den Hängen des Douro waren schon damals weit über die Region hinaus bekannt. Nachteilig für die Engländer war allerdings, dass der Transport nun mühsamer und vor allem viel länger war, denn der Wein musste per Schiff oder Karren nach Porto, wo er auf englische Handelsschiffe verladen wurde. Durch die raue See gärte der Wein auf dem Weg nach England und wurde ungenießbar. Im Hafen von Matosinhos, englisch port, suchte man nach einer Lösung und experimentierte mit Weinbrand als Zusatz. Von da an kippte der Wein an Bord nicht mehr um. Die Kellermischung überzeugte die verwöhnten Zungen der Angelsachsen auf Anhieb. Sie tauften das likörartige Weinbrandgemisch mit süßlicher Note Portweine: Vinho do Porto. Rückblickend war es eine geniale Idee, den Gärungsprozess durch Zugabe von Branntwein zu stoppen. Das Ergebnis war ein Getränk, dessen unvergorene Restsüße offenbar auch den Geschmack der Engländer auf ihrer verregneten Insel traf. Und von hier aus seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat. Ob zum Dessert oder als Aperitif, Portwein wird bis heute auf der ganzen Welt getrunken. Ein durchschlagender Erfolg also, auch wenn im Alto Douro aufgrund der veränderten Nachfrage heute wieder verstärkt Rotweine produziert werden.

Keine Frage, wer hierherkommt, bleibt länger als ein, zwei Nächte. Denn es gibt viel zu entdecken. Und überhaupt scheint hier die Zeit langsamer zu vergehen als anderswo. Jochen Ziesel kennt die Gegend. Seit Jahren betreibt er das Reisebüro Columbus, das Menschen, die etwas von der Welt sehen wollen oder einfach eine Auszeit brauchen, maßgeschneiderte Reisen anbietet. Hierher kommt, wer das Besondere sucht. Das kann mal eine kleine Pension sein, mal ein luxuriös ausgestattetes Weingut. Jochen Ziesel empfiehlt hier das Six Senses in der Gemeinde Lamego. Auf einem Hügel mit Blick auf die terrassierten Weinberge des UNESCO-Weltkulturerbes Dourotal und den Fluss Douro gelegen, bietet das kürzlich renovierte Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert seinen Gästen therapeutische Spa-Oasen, Weinverkostungen und einen Infinity-Außenpool mit Spiegeleffekt. In der hoteleigenen Weinbibliothek finden Weinkenner (oder solche, die es werden wollen) mehr als 750 Referenzen zu Weinen aus der Region, die von zwei Weindirektoren zusammengestellt wurden, sowie eine Auswahl an Tapas und Käsesorten, die zu den Weinverkostungen passen. Das Hotelrestaurant Vale Abraão bietet Gourmetküche und internationale Köstlichkeiten in drei verschiedenen Bereichen, darunter eine offene Küche, ein Holzofen und eine gehobene Küche.

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Foto: Six Senses

Neben der Erkundung der Landschaft kann der Reisende auch einen Ausflug vom Wasser aus unternehmen. Dank zahlreicher Schleusen ist der Douro auf den gut 200 Kilometern von Porto stromaufwärts bis Barca d’Alva durchgehend schiffbar. Doch nicht nur kleine Bootstouren sind möglich. Jochen Ziesel vom Reisebüro Columbus empfiehlt eine Kreuzfahrt, flussaufwärts bis Régua oder weiter bis Pinhão mit A-Rosa Kreuzfahrten.

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Reizvoll ist auch eine Fahrt mit der zauberhaften Linha do Douro, der bereits 1878 eröffneten Regionalbahn. Hier sind noch echte Dampflokomotiven und altmodische Waggons im Einsatz. Der Güterverkehr von Régua nach Porto wird natürlich seit Jahrzehnten von modernen Zügen bewältigt. Doch wer möchte, kann sich hier noch auf eine echte Zeitreise begeben. Von Juni bis September finden Sonderfahrten mit der Dampflok statt. Ein Erlebnis für Nostalgiker und natürlich auch für Kinder.

Wer sich jedoch ein Bild von der Weite und Ursprünglichkeit des Alto Douro machen möchte, der aus weit mehr als nur malerischen Weinbergen besteht, dem empfiehlt Jochen Ziesel eine Erkundungstour im eigenen (oder bei Sixt gemieteten) Auto. Die Tour ist atemberaubend. Sie führt über das Hochland bis nahe an die spanische Grenze und auf der Südseite des Douro wieder zurück. Von Peso da Régua geht es auf der Nordseite des Flusses durch eine Kulturlandschaft, die paradoxerweise etwas Wildes und Karges hat. Auf sanften Hügeln liegen hier und da wie verstreut weiß getünchte Quintas. Ein Stopp lohnt sich in Pinhão, wo es rund um den Ort zahlreiche Weingüter gibt. Im Ort selbst überrascht ein kleiner Bahnhof, der reich mit Azulejos (handbemalten Keramikfliesen) verziert ist.

Weiter geht es in Richtung der Kreisstadt Vila Flor, zu Deutsch Blumenstadt. Jedes Jahr im Frühsommer locken das Terra Flor Festival und einige andere Veranstaltungen mit kulinarischen und alkoholischen Köstlichkeiten aus der Region. Neben dem obligatorischen Wein findet man hier vor allem ökologisch produziertes Olivenöl aus der Region Trás-os-Montes (DOP). Wer übernachten möchte, kann sein Glück in einem der wenigen Gästehäuser versuchen. Vielleicht ist man aber auch mit dem etwas außerhalb gelegenen und durchaus attraktiven Turismo Rural, der portugiesischen Variante des allseits beliebten Agro-Turismo, besser beraten. Oder man lässt sich von Jochen Ziesel vom Reisebüro Columbus einen Schlafplatz reservieren.

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Viele Kilometer weiter verbindet die N222 Vila Nova de Foz Côa mit dem Douro und führt uns über São João da Pesqueira zurück nach Pinhão. Auf dieser Strecke empfiehlt uns Jochen Ziesel einen Abstecher zur Quinta do Vesúvio. Das ambitionierte Weinbauteam der Quinta arbeitet noch ganz traditionell, ohne moderne Technik. Wer das nicht glaubt, kann zusehen, wie die Trauben für die Maischeherstellung mit bloßen Füßen gestampft werden. Die Quinta do Vesúvio ist voller Geschichten und Erinnerungen an vergangene Zeiten. Heute genießen ihre Weine und Portweine weltweit einen fast schon legendären Ruf. Eine Weinprobe lässt sich übrigens gut mit einem Mittagessen auf der herrschaftlichen Terrasse der Quinta verbinden. Deshalb lieben wir das einfache und zugleich kultivierte Leben in Portugal. Eben weil es vielfältiger ist als die Toskana, nicht so kitschig wie die Loire oder so lieblich wie das Moseltal. Grund genug, sich zurückzulehnen und einen Portwein zu genießen. Jochen Ziesel sei Dank!

Sie finden Jochen Ziesel persönlich vor Ort in seinem Columbus Reisebüro in der Bahnhofstr. 7 in Waiblingen. Telefonisch erreichen Sie ihn unter: +49 7151 958880 und per Email: info@reisebuerocolumbus.de

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